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Im neuen BÜRGERJOURNAL 01/2020 der Gemeinde Gräfelfing wird mit vielen schönen Worten und ebensolchen schönen Architektenbildern die geplante neue Schwimm-/Dreifachsporthalle in wärmsten Worten angepriesen. Leider erweisen sich aber immer wieder solche wunderbaren Visionen später als große Windeier. Die augenblickliche Gigapleite des Überfliegers WIRECARD ist doch ein gutes Beispiel, wie solche bunten Seifenblasen dann auf einmal zerplatzen.

Daher muss der wunderbare Artikel zur Schwimm-/Dreifachsporthalle schon näher auf Wunsch und Wirklichkeit durchleuchtet werden.

Überblick (grauer Kasten) auf Seite 18:

Schon der Titel verspricht etwas, was nicht zu halten ist. Nachhaltig wäre die Lösung, wenn dafür nicht 1 ha wertvoller gesunder Mischwald und Lebensraum bedrohter und geschützter Tiere vernichtet würde. Auch die geplante Dachbegrünung mit wenige Zentimeter hoher Sedumschicht kann die wichtige Funktionen eines gesundes Waldes nie ersetzen. Ihr eine Klimaregulierung anzudichten gehört schon in den Bereich der Märchen. Das ganze Vorhaben dann noch als gut durchdacht in Hinblick auf Klimaschutz zu verkaufen, ist eine heftige Übertreibung!

Nachhaltig ist etwas ganz anderes gerade in Zeiten eines sich beschleunigenden Klimawandels, der nach Aussagen der Klimaforscher Südbayern besonders treffen wird! Wer mit offenen Augen nur durch Gräfelfing geht, sieht eine wachsende Anzahl großer Bäume, die massive Trockenschäden aufweisen oder bereits absterben.

Zwar wurde das ganze Projekt wohl auch auf Grund unserer Stellungnahmen im Umfeld etwas reduziert, aber zu behaupten, dass dadurch der ökologische Fußabdruck von der Größe eines riesigen Dinosaurierfußabdrucks weiter verbessert wurde, ist schon ein gewaltiger Selbstbetrug.

Und ansprechend, wie auf dem Architektenbild ist diese Halle nur solange sie neu ist. Eine Wind und Wetter ausgesetzte Holzfassade wird in wenigen Jahren schwarz verwittern und ein schwarzer Kasten wird dann sicher nicht mehr als ansprechende Lösung empfunden. Dass sogar lackierte Holzfassaden nach wenigen Jahren verwittern und unansehnlich werden, kann man gut an der roten Holzverkleidung der Südbauten sehen.

Auch das immer wieder gebrauchte Argument, dass nur so der Schulsport ohne Unterbrechung durch die Bauzeit aufrecht zu erhalten sei, ist nicht stichhaltig. Ich bin 1956 in der damals neuen Volksschule in Lochham eingeschult worden. Damals gab es dort noch keine Turnhalle und wir haben trotzdem Schulsport betrieben. Es war dazu eben etwas Improvisation nötig.

Roter Kasten mit Aussage von Herrn Bürgermeister Köstler auf Seite 20:

Dort wird behauptet, dass beim Bau der neuen Halle im Schulwald der restliche Schulcampus durch die Baustelle nicht beeinträchrtigt werden würde. Das ist schon deshalb falsch, weil ja die alte Schwimm- und Schulturnhalle auch abgerissen und die entsprechende Freiflächen neu gestaltet werden müssen. Baustellen werden das Schulcampus auf jeden Fall beeinträchtigen!

Auch seine Aussage, dass der gewählte Standort der richtige sei, ist falsch. Die Standortwahl fiel als Ergebnis falscher Platzangaben auf dem Schulcampus. Die entfallenden wertvollen Eigenschaften des Waldes wurden damals überhaupt nicht berücksichtigt. Dass als Folge die ursprünglich vorgesehenen Baukosten von ca. 13 Mio. € auf über 30 Mio. € explodierten, wird mit keinem Wort erwähnt! Die 30 Mio. € sind mit Sicherheit noch nicht das Ende der Kostenexplosion, die nächsten Steigerungen werden erfolgen, wenn die Planungen bei Ausschreibungen dann konkretisiert werden müssen.

Die seltsame Aussage, dass der Campus später städtebaulich als lockeres Ensemble erlebbar bleiben würde, kann doch über den Verlust wertvollen Waldes in Zeiten des Klimawandels nicht hinweg trösten.

Bei ständig steigenden Temperaturen gerade in Frühjahr und Sommer wird der Schulcampus mediteran durchglüht und tagsüber nicht mehr nutzbar sein. Warum findet das öffentliche Leben in den mediteranen Ländern nicht tagsüber sondern am Morgen und Abend statt? Weil ein Aufenthalt im Freien tagsüber kaum noch möglich ist. Strebt die Gemeinde so etwas für den Schulcampus an?

Die Aussage von Herrn Köstler, dass der vorgesehene ökologische Ausgleich über die gesetzlichen Anforderungen hinaus geht, entspricht leider nur einer seit Jahrzehnten überholten Ausgleichsregelung. Der Verlust an der Staubfilterwirkung für die Feinstäube der benachbarten Autobahn, an der CO2 Speicherung von 150 t CO2 über die Nutzungsdauer der Halle von ca. 30 Jahren und an der Kleinklimaverbesserung des Schulcampus kann doch nicht durch irgendwelche Anpflanzungen im Abstand von über 1 km hinter der Heitmeiersiedlung oder am Gockelberg ausgeglichen werden. Hier wird die Situation der Lochhamer Schulkinder deutlich verschlechtert ohne jeglichen Ausgleich, der den Schulkindern zugute kommen würde. Das ist doch genauso wenig ein Ersatz für den ökologischen Verlust, wie das Angebot von Videogymnastikfilmen für den Verlust von Sport im Freien zu Coronazeiten für unsere Kinder!

Lesen Sie bitte hierzu auch den Artikel „Ökologischer Ausgleich“, der nichts ausgleicht.

Zum darüber gezeigten Bild des Foyers wäre zu bemerken, dass die Schulkinder vor und nach ihrem Sportunterricht kaum Zeit finden werden, den „Wohlfühlort“ zu genießen. Sie müssen in die nächsten Schulstunden. Und die Sportler am Abend werden schmerzlich das After-Sport-Weißbier im TSV Vereinsheim vermissen und sich daher auch im Foyer nicht sonderlich wohl fühlen. Eine sinnlose Platzverschwendung auf Kosten des wertvollen Schulwaldes!