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Immer wieder wird von sog. Fachleuten behauptet, der Lochhamer Schulwald sein nur ein wertloser Stangerlwald.

Dazu muss erst einmal erklärt werden, was unter einem Stangerlwald zu verstehen ist, und warum der Schulwald ein wertvoller Mischwald ist.

Deutschlands Wälder waren lange Zeit größtenteils reine Fichtenplantagen und hatten mit wertvollen Wäldern nichts zu tun. Dort wurden Fichten sehr eng gesetzt, damit sie schnell im Kampf ums Licht in die Höhe wuchsen und so schnell brauchbares Bauholz und anderes Nutzholz produzierten. Allerding sind Fichten Flachwurzler und daher gerade auf der Münchner Schotterebene sehr anfällig auf Windbruch, Schädlingsbefall (Borkenkäfer) und Trockenheit.

Vor 50 Jahren war der Lochhamer Schulwald noch eine reine Fichtenmonokultur (Stangerlwald), in dem keine anderen Bäume hoch kommen konnten. Durch den Bau der Autobahn wurde dann bereits fast die Hälfte des Waldes vernichtet.

Die Forstwirtschaft hat sich auch wegen des fortschreitenden Klimawandels, der bei den Fichtenmonokulturen schon zu enormen Schäden geführt hat, gewandelt. Heute ist das Ziel der Forstwirtschaft stabile Mischwälder zu schaffen, die sowohl gegen den Klimawandel, gegen Schädlinge, gegen Trockenheit und Windwurf besser bestehen können. Daher wurde und wird der Lochhamer Schulwald seit längerem zu einem stabilen Mischwald umgebaut. Gerade der Bereich, der der geplanten Schwimm-/Dreifachsporthalle geopfert werden soll, hat das Ziel eines gesunden Mischwaldes weitgehend erreicht.

Und das soll ein „Stangerlwald“ sein?????

Wer also im Jahr 2020 den Lochhamer Schulwald noch als wertlosen Stangerlwald bezeichnet, war entweder seit mindestens 20 Jahren nicht mehr in diesem Wald oder hat leider überhaupt keine Ahnung von Waldwirtschaft und verbreitet nur unsinnige Parolen.

Wir wurden aber auch schon angesprochen, der Schulwald sei „unordentlich“!

Das ist die nächste Fehlinformation. Die Fichtenmonokulturen waren „sehr ordentlch“, weil dort Unterholz oder andere Baumarten nicht hochkommen konnten und Totholz unerwünscht war. Die Bodenflächen sahen für den Betrachter daher sehr „ordentlich“ aus. Die Fichten standen dicht bei dicht, wie die Zinnsoldaten, also militärisch ordentlich!

Auch das hat die moderne Forstwirtschaft als falschen Weg erkannt. Totholz ist für gesunde Wälder enorm wichtig, da die Bodenflora und Fauna das Totholz als Nahrung benötigt und die Reste als wertvollen Dünger für die Bäume wieder zur Verfügung stellt. Daher läßt die Forstwirtschaft heute Totholz (auch z.B. die nicht benötigten Äste gefällter Bäume) in den Wäldern liegen. Das schaut für die Betrachter erst einmal fürchterlich unordentlich aus, ist aber für eine gesunde Entwicklung stabiler Wälder von enormer Bedeutung.

Im Schulwald können unsere Kinder und Enkel auch in Zeiten einer Coronapandemie unbeschwert in der frischen Luft spielen, was ihnen in geschlossenen Hallen für lange Zeiträume verwehrt ist.

Daher ist der Lochhamer Schulwald in seiner heutigen Form für das Wohlergehen unserer Kinder und Enkel sehr viel wertvoller, als großflächig zugepflastere Plätze, wie der Bahnhofs- und Rathausplatz in Gräfelfing mit ihren Steinwüsten und im Sommer unerträglichen Temperaturen.

Auf diesen Steinwüsten kann sich höchstens Petrophaga lorioti (siehe hierzu auch Pschyrembel: Loriots Steinlaus) wohl fühlen, Haselmäuse und Fledermäuse finden dort keinen Lebensraum.