Seite wählen

Da bei der Planung für eine Rodung von 1 ha gesunden Michwaldes von erheblichen ökologischen Schäden ausgegangen werden muss, fordert daher das Gesetz dafür ökologische Ausgleichsmaßnahmen zu ergreifen. Leider ist dieses Gesetz heute massiv veraltet und erbringt nur auf dem Papier einen Ausgleich, aber in der Natur meist in keiner Weise!

Das ist leider auch bei den ökologischen Ausgleichsmaßnahmen für den Hallenneubau im Lochhamer Schulwald der Fall.

Was sind überhaupt die nutzbringenden ökologischen Eigenschaften eines Waldes, wie er heute den Lochhamer Schulwald bildet:

  1. Wichtigste Eigenschaft ist in Zeiten des durch menschliche Einflüsse verursachten Klimawandels die Fähigkeit von Wäldern CO2 aus der Luft aufzunehmen und in den Bäumen und dem Waldboden dauerhaft zu speichern. Bekanntlich wird der Klimawandel ganz erheblich durch unseren massiven Ausstoß von CO2 angeheizt. CO2 entsteht nicht nur durch Verbrennung von Kraft- und Brennstoffen aus fossilen Stoffen, wie Öl, Kohle und Holz. Es entsteht auch in besonders hohem Maß im Bausektor durch Verwendung von Beton! Schon die Herstellung von Zement setzt beim Brennprozess große Mengen CO2 frei. Aber selbst beim Abbinden und Aushärten des Betons wird weiteres CO2 freigesetzt. Da wir nicht sofort aus allen CO2 freisetzenden Technologien aussteigen können und daher noch längere Zeit erhebliche Mengen CO2 freisetzen werden, sind gerade in unseren Breiten die Wälder ein hervorragendes Mittel, um CO2 wieder dauerhaft zu binden. Nach gesicherten Erkenntnissen der Wissenschaft speichert 1 ha heimischer Mischwald pro Jahr 5 Tonnen CO2 !
  2. Bäume speichern aber nicht nur CO2, sie produzieren in ihrer Wachstumsphase auch den für uns lebenswichtigen Sauerstoff! Hier muss auch bedacht werden, dass ein alter Laubbaum etwa die 10000-fache biologische Aktivität eines jungen Baumes besitzt. Um den Verlust von 1 ha älteren Waldes zu ersetzen, müssten daher Millionen junger Bäume als Ersatz gepflanzt werden. Wo würde es dafür überhaupt geeignete Flächen in Gräfelfing geben? Und eine Aufforstung in Afrika oder Asien könnte zwar rechnerisch diesen Ausgleich schaffen, würde aber unserem lokalen Klima nichts helfen.
  3. Darüberhinaus haben Bäume aber auch die Fähigkeit Stäube zu filtern, die für uns Menschen gesundheitsschädlich sind. Der Lochhamer Schulkomplex liegt seit Anfang der 70er Jahre durch den Bau der Autobahn, der schon damals ein großer Teil des Schulwaldes zum Opfer gefallen ist, sehr nahe an der stark befahrenen und jede Menge Staub, Feinstaub und auch Ultrafeinstaub emittierenden Autobahn. Der heutige Bestand unseres Schulwaldes kann zwar nicht alle Stäube aus der Luft herausfiltern, aber er reduziert doch die Staubbelastung für die Schüler deutlich. Dass die Stäube von der Autobahn nicht zu vernachlässigen sind, beweist die Photovoltaikanlage auf den Schuldächern. Die Module verschmutzen nach Aussagen der Betreiber deutlich stärker, als bei autobahnfernen Anlagen.
  4. EinWald verbessert auch spürbar das lokale Kleinklima. Durch die ständige Verdunstung senkt er im Sommer deutlich gegenüber versiegelten Flächen (Straßen, Wegen aber auch Dächern) die Temperaturen und im Winter reduziert er die teils heftigen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Der Lchhamer Schulwald beeinflusst daher das lokale Kleinklima im Lochhamer Schulbereich positiv, was gerade für die Schulkinder ein wertvoller Gewinn ist.
  5. Wald hat aber auch einen positiven Einfluss auf die menschliche Psyche. Nicht umsonst haben unsere Nationaldichter viele Abhandlungen und auch Lieder über den Wald geschrieben. Der Lochhamer Schulwald könnte daher gerade auch positiv in die Schulpädagogig eingebunden werden. Viele Gemeinden setzen ihren Wald schon mit Waldkindergärten erfolgreich in der Kindererziehung ein (z.B. Neuried).
  6. Der Lochhamer Schulwald ist trotz aller Eingriffe und Bebaungen der letzten Jahrzehnte (Autobahn, Adalbert-Stifter-Straße mit ihren vielen Parkplätzen, Dreifachsporthalle des KHG, Gemeinde-Kindergarten) immer noch Lebensraum seltener besonders geschützter Arten. Hier speziell die seltenen Haselmäuse (keine Mäuse sondern Bilche, verwandt mit dem Siebenschläfer) und mehrere seltene Fledermausarten. Allein ihre Erhaltung ist heute bei dem weltweiten Artensterben für unsere Zukunft enorm wichtig. Mit jeder ausgestorbenen Art verlieren wir eine unglaubliche genetische Vielfalt, die die Natur in Jahrmillionen entwickelt hat und die wir jetzt gedankenlos in kürzester Zeit vernichten.

Und was bieten die Planer als Ausgleich für diese wertvollen Eigenschaften des Schulwaldes an?

(Darstellung aus Planung zur 13. Änderung des Flächennutzungsplans)

1. Eine Feldhecke östlich der Heitmeiersiedlung und direkt nördlich der Autobahn inmitten einer intensiv bewirtschafteten Agrarfläche.

Erstens handelt es sich bei dieser Fläche um eine Feldhecke und keinen Wald. Das sind grundsätzlich zwei unterschiedliche Strukturen mit unterschidlichen ökologischen Wirkungen. Eine Feldhecke besteht zu einem erheblichen Teil aus Sträuchern und nur einzelnen größeren Bäumen. Die östlich neu zu pflanzende Hecke steht auf jahrzehntelang intensiv gedüngtem und pestizidbelasteten Ackerboden, kann also nie die wertvollen Funktionen eines gesunden alten Waldbestandes ausgleichen. Merkwürdig ist auch, dass man dort Sportlern ihren Freiluftsportplatz wegnehmen will, der sich doch gerade in der heutigen Corona-Pandemie als wesentlich besser erweist als geschlossene Sporthallen und sicher im Unterhalt fast garnichts kostet!

Ganz abgesehen davon kann diese Inselfläche begrenzt von einer stark befahrenen Autobahn und intensiv bewirtschafteten Äckern am östlichen Rand des Gemeidegebiets die segensreichen kleinklimatischen Wirkungen des Schulwaldes am Schulstandort nie ausgleichen. Wer so etwas behauptet, belügt die Bürger doch ganz massiv!

2. Der Gräfelfinger Gockelberg.

Der Gräfelfinger Gockelberg ist eine Stiftung des früheren Gräfelfinger Bauern Weinbuch, der seien Bauernhof und den benachbarten Gockelberg der Gemeinde vermacht hatte mit den Auflagen, auf dem Weinbuchhof-Gelande ein Altersheim (St. Gisela) zu errichten und den Gockelberg auf ewig den Gräfelfinger Kindern als Rodel- und Skiberg zu erhalten. Aber auch wenn der Klimawandel Rodeln und Skifahren in Gräfelfing immer seltener erlaubt, ist dieses Gelände für das Ortsbild mit dem benachbarten Friedhof ein wertvoller Landschaftsbestandteil, der nicht für architektonische Spielereien mißbraucht werden darf. Dazu sollte die Gemeinde einmal genau in der Stiftungsurkunde nachlesen, was dort festgelegt ist.

Aber ganz abgesehen von dieser ganz besonderen Situation ist die Heranziehung dieses wertvollen Geländes als Ausgleichsfläche für den ebenso wertvollen Lochhamer Schulwald schon eine planerische Zumutung! So haben die Planer zuerst aus dem Bestandsbild den natürlich aufgewachsenen Heckenrand an der Grenze zum St. Gisela-Gelände und vor dem kartierten Biotop am Nordrand wegretuschiert (man erkennt ihn aber bei genauerem Hinsehen noch ganz leicht als hellgrüne Flächen), um dann genau diesen bestehenden Heckenrand wieder als Ausgleich für den Schulwaldverlust zu verkaufen. Die Blühstreifen (eigentlich lediglich ausgemagerte Wiesenstreifen) sind sicher gut für Insekten, haben aber mit den wertvollen Waldfunktionen überhaupt nichts gemeinsam. Die drei Heckeninseln im südlichen Teil der Wiese zerstören das gewachsene Ortsbild und verstellen dazu die wichtige Sichtachse von St. Gisela zu den denkmalgeschützten Gebäuden des Friedhofs. Völlig lächerlich wird das Ganze dann, wenn 16 neu gepflanze Obstbäume den Verlust der Waldeigenschaften auf dem Lochhamer Schulgelände ausgleichen sollen.

Und wo bleiben wir?

Für die besonders geschützten und gefährdeten Haselmäuse im Lochhamer Schulwald bringt keine einzige Ausgleichmaßnahme eine Rettung. Daher gehen die Planer sogar von unvermeidlichen Verstößen gegen das Störungs- und Tötungsverbot des BNatSchG aus und schlagen die Einholung einer Ausnahmegenehmigung vor. Das heißt aber, die bedrohten Bilche werden mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Hallenneubau im Schulwald getötet!

Fazit:

Wenn man den geplanten Ausgleichsmaßnahmen theoretische ökologische Werte zuordnet und mit ihrer jeweiligen Fläche multipliziert, mag man auf eine rechnerischen Ausgleich für den Verlust der ökologischen Funktionen des Lochhamer Schulwaldes kommen. Die Schüler und die Bürger werden das jedoch auf dem Schulgelände und in der Umgebung nicht merken, sie werden unter den massiven Verschlechterungen auf Dauer zu leiden haben! Die angebotenen Ausgleichsmaßnahmen sind daher ein großer planerischer Schwindel, den sich die Gräfelfinger Bürgerinnen und Bürger nicht gefallen lassen dürfen! Den vertriebenen oder getöteten gesetzlich geschützten Tierarten helfen solche Papier-Ausgleichsmaßnahmen auch überhaupt nichts. Die Gemeinde verstößt massiv gegen das Störungs- und Tötungsverbot dieser Tiere. Wozu haben die Gräfelfinger sich so stark beim Artenschutzvolksbegehren zum Schutz bedrohter Arten eingesetzt, damit die Gemeidne jetzt die nächsten Arten ausrottet?