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Mit größter Überraschung haben wir das sechsseitige Schreiben des TSV-Präsidenten Christoph Göbel, der aber gleichzeitig auch Landrat des Landkreises München ist und daher für die Einhaltung von Gesetzen und übergeordneten Planungen (z.B. Regionalplan) zuständig ist, an alle TSV Gräfelfing Mitglieder gelesen. Es ist schon erstaunlich, wie Herr Göbel als TSV-Präsident genau gegen seine Ziele als Landrat im Klima-, Natur- und Artenschutz argumentiert.

Doch nun zu den einzelnen Aussagen von Herrn Göbel:

  • Beim Bau der Halle auf den bisherigen Platz könnte mindestens 2 Jahre Sportunterricht nur eingeschränkt durchgeführt werden, Schwimmunterricht könnte überhaupt nicht stattfinden. Das ist zwar teilweise richtig, vernachlässigt aber den dauerhaften Erhalt des für das lokale Kleinklima enorm wichtigen Schulwaldes, der gleichzeitig ja auch ein Schutzwald gegen die Feinstaubbelastung und den Lärm von der Autobahn ist. Nachweislich sind gerade in Hitzeperioden baumbestandene Waldflächen ca. 5 ° C kälter als versiegelte Flächen, auch begrünte Hallendächer! Nachdem immer mehr Klimaforscher vor dem sich nähernden Kipppunkt unseres Klimas warnen, bei dessen Überscheitung unabsehbare Klimaveränderungen drohen, ist eine ca. 2 jährige Einschränkung des Sportbetriebs nur der Volks- und Mittelschule in Lochham für die Zukunft dieser Schulkinder sicher das weitaus geringere Übel. Aber bei besserer Hallenplatzaufteilung kann auch die heute nur wenig genutzte ältere Sporthalle des KHG für den Schulsport übergangsweise genutzt werden. Heute wird diese Halle fast ausschließlich für Theaterproben genutzt und läßt sich daher sicher noch besser nutzen. Auch wird vergessen, dass an den Schulen den Kindern nicht das Schimmen beigebracht wird. Die Kinder müssen bereits schwimmen können, wenn sie am Schwimmunterricht teilnehmen sollen. Zudem fällt der Schwimmunterricht komplett aus, weil die nötige zweite Aufsichtsperson aus dem Elternkreis nicht verfügbar ist und Schwimmunterricht nur mit einer Aufsichtsperson aus Sicherheitsgründen unzulässig sind. Als Landrat muss Herr Göbel die vereinbarten Klimaziele umsetzten und einhalten, als TSV-Präsident sicher doch auch? Wer soll sowas verstehen?
  • Natürlich kann auf dem Schulcampus die unsinnig flächenverbrauchende Halle der derzeitigen Vieleckvariante nicht gebaut werden. Aber ein für den Klettersport viel besserer Kletterturm, wie in Planegg am FLG, läßt sich problemlos auf dem KHG Sportplatz unterbringen bei minimalem Flächenverbrauch. So ein Kletterturm (Neudeutsch Boulderturm) ist für die Sportler mit seinen vielfältigen Schwierigkeitsgraden wesentlich attraktiver, als eine kleine „Boulderwand“ in der Halle im Schulwald. Und für die Gräfelfinger Weltklassesprinter (startet Usain Bolt jetzt für den TSV Gräfelfing?) läßt sich auch auf dem Schulcampus unter der heutigen Asphaltfläche ein Sprinttunnel unterbringen, wenn es unbedingt sein muss. Auch hier bleibt der wertvolle Schul- und Schutzwald vollständig für unsere Kinder und Enkel erhalten!
  • Was Herr Göbel bei seiner Beurteilung der Stapellösung unter der nebulösen Formulierung „deutlich weniger Aufenthaltsqualität und sportlichen Mehrwert“ versteht, dürfte kaum nachvollziehbar sein. Sportler gehen doch in eine Sporthalle, um ihren Sport zu treiben und nicht nur um sich dort im Trockenen aufzuhalten. Und was ein sinnlos großes Foyer über 2 Stockwerke für die Sportler für einen Mehrwert haben soll, wird wohl auch ewig ein Geheimnis bleiben. Dort gibt es nämlich kein After-Sports-Bier, sondern nur trockene Luft. Was ein unmittelbarer Anschluss der Stapelhalle an die bestehenden Schulgebäude für bekannte Nachteile haben soll, ist ebenfalls unerklärlich. Genau das ist ja der große Vorteil dieser Lösung. Die Schüler können dann auch, wie heute, ohne das Schulgebäude verlassen und eine Straße überqueren zu müssen von ihren Klassenzimmern direkt die Sporthallen und das Schwimmbad erreichen. Das soll ein Nachteil sein? Das ist genau das Gegenteil, nämlich ein riesiger Vorteil!
  • Die nächste Aussage ist von hohlen Phrasen nur so gespickt. Was ist den eine qualitativ hochwertige und dadurch wiederum ökologische und stadtplanerisch intelligente Bauweise? Vor kurzem wurde die neue Stapelhalle des TSV München Ost wegen ihre sehr flächensparenden und energieeffizienten Bauweise genau mit denselben Attributen belegt. Den Verlust von 1 ha wertvollen Schutzwald dann als maximale Nachhaltigkeit zu verkaufen, ist für einen Landrat des Landkreises München schon ein Armutszeugnis. Und wer sollte denn in die Stapellösung eine Lüftungsanlage nach veralteten Stand einbauen wollen? Selbstverständlich soll die Stapelhalle nach denselben aktuellen Standards der Technik errichtet werden. Nachweislich verlieren begrünte Dachflächen bei den immer häufigeren Dürreperioden schon nach wenigen Tagen ihre Funktion zur Klimaregulierung, während ein gesunder Wald dies auch über Monate nicht verliert. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach (und was ist dann mit der Dachbegrünung?) erspart nur CO2 in geringem Maß, 1 ha gesunder Mischwald speichert aber jedes Jahr mindestens 5 t CO2 ! Auch der zu pflanzende gestufte Waldsaum kann den Waldverlust in keiner Weise ausgleichen und den verlorenen Lebensraum für sogar nach EU Recht geschützter Tierarten nie mehr ersetzen. Auch ist es nicht richtig, dass in der jüngsten Planungsphase des Bauvolumen reduziert wurde. Es soll lediglich die Böschung der Baugrube durch eine Spundwand bzw. Wandverbau ersetzt werden. Dies ändert aber überhaupt nichts an der für diese Großbaustelle benötigten Fläche für die Baustelleneinrichtungen. Und schließlich müssen die Spundwände und Verbauträger von schweren Baumaschinen eingerammt und später wieder gezogen werden und diese Maschinen benötigen große Manipulationsflächen. Der ökologische Fußabdruck wird damit weiter auf einem miserablen Stand bleiben. Bei der Vernichtung von 1 ha wertvollen klimarelevanten Wald von einer Verbesserung des ökologischen Fußabdrucks zu sprechen ist schon ein starkes Stück und wird heute allgemein als Greenwashing bezeichnet!
  • Die Aussage, dass bei Errichtung der neuen Sportstätten auf dem Schulcampus bei künftigen Anforderungen der Schulen der nötige Raum fehlen würde, ist nicht nachvollziehbar. Allein auf dem Nordbau aus den 50er Jahren kann problemslos ein komplettes Leichtgeschoss auf der gesamten Gebäudelänge aufgesetzt werden, was den verfügbaren Platz enorm erweiter. Und auch auf den Südbauten sind zusätzliche Leichtgeschosse problemlos aufzusetzen. Die Gebäude der Grund- und Mittelschule würden erst durch diese Zusatzgeschosse die Höhe des bestehenden KHG Gebäudes erreichen und wären städtebaulich daher problemlos einzufügen!
  • Die Baustelle für die Halle im Schulwald befindet sich nur wenige Meter nördlich der möglichen Baustelle der Halle auf dem Schulcampus. Auf Grund der fast doppelt so großen Grundfläche der Halle im Schulwald ist auch wesentlich mehr Fläche für die Baustelleneinrichtung erforderlich. Die Lärm- und Gefahrenquellen dieser Baustelle stören den Unterricht genauso und schränken die Verkehrssicherheit der Schülerinnen und Schüler genauso ein. Bei der Errichtung des letzten Südflügels musste die gesamte Baustellenlogistig von der Adalbert-Stifter-Straße über den Pausenhof zur Baustelle bewerkstelligt werden, was ja damals auch möglich war. Jetzt auf einmal soll das nicht mehr gehen?
  • Bei der nächsten Aussage geraten die Schreiber dann völlig ins Irrationale. Logischerweise befürworten die Schulleiter und der TSV die aktuelle Standortwahl, da alle in einem direkten Abhängigkeitsverhältmis zur Gemeinde stehen und gerade der TSV Haupttreiber dieser Planung ist. Nicht erklärt wird jedoch, wo z.B. der hohe Mehrwert in punkto des sportlichen Angebots sein soll, wenn bei der Stapelhalle auf dem Schulcampus exakt dieselben Sportflächen realisiert werden können. Was aber Aufenthaltsqualitäten und städtebauliche Stimmigkeit (was soll bei einer Waldvernichtung eine städtebauliche Stimmigkeit sein?) sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für Sportler für einen Nutzen generieren sollen, bleibt das Geheimnis der Briefschreiber. Kommen jetzt die Schülerinnen und Schüler und die Sportler zum sich Unterhalten in die Sporthalle, oder sollen bzw. wollen sie dort einfach nur Sport betreiben? Den dringend notwendigen Klimaschutz, die Schutzfunktionen der Waldes gegen Feinstaub und Autobahnlärm und die Vernichtung wertvoller Lebensräume für geschützter Tierarten für eventuelle Möglichkeiten sich qualitativ hochwertig aufzuhalten und ins Gespräch zu kommen zu opfern, ist weder nachhaltig noch zukunftsfähig und wiederspricht allen planerischen Vorgaben der Region und des Landkreises gerade in Punkto Klimaschutz und Minimierung der Flächenversiegelung! Welche Kinder werden sich wohl an einem Gebäude mit möglichst hoher Qualität erfreuen und als Wohlfühlort begreifen? Sind die bestens qualifizierten Architekten nicht in der Lage, auch die Stapelhalle auf dem Schulcampus in hoher Qualität zu realisieren? Nicht nur Bayern klagt über die zunehmenden Dürreperioden, die den Menschen, aber auch der Landwirtschaft und den Wäldern, massiv zu Schaffen machen und Gräfelfing denkt nur an Selbstverwirklichung mit kaum nutzbarer Flächenversiegelung mit für die Bürger wenig nutzbaren Bauwerken!
  • Die nötigen Rodungen des wertvollen Schulwaldes lassen sich nicht durch Ausgleichsmaßnahmen ersetzen. Der Leitfaden des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfregen stammt aus einer Zeit, in der Klimaschutz noch überhaupt kein Thema war und Ausgleichmaßnahmen mehr Alibifunktio hatten. Auch die Verschlechterungen des Kleinklimas auf dem Schulcampus können durch formale Ausgleichmaßnahmen mehrere Kilometer weit entfernt nicht ausgeglichen werden. Pikant ist zudem, dass ausgerechnet ein in der Nähe der Heitmeiersiedlung gelegener kleiner Sportplatz in einer Feldhecke aufgeforstet werden und damit die Nutzung für die dortigen Sportler unmöglich gemacht werden soll, um dem TSV im Schulwald eine neue Sporthalle zu bauen. Wer das als „Sportförderung“ anpreist verwechselt Förderung des TSV mit Förderung von Volkssport und der Gesundheitsförderung für alle gräfelfinger Bürgerinnen und Bürger! Auch für die nach EU-FHH-Richtlinie und BNatSchG bestehenden Störungs-, Schädigungs- sowie Tötungs- und Verletzungsverbote kann durch die Ausgleichsmaßnahmen keinerlei Ersatz erfolgen. Eine Vereinbarkeit mit den Anforderungen des Naturschutzes ist nicht gegeben. Die Abstimmung mit der höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberbayern ist unter der falschen Voraussetzung erfolgt, dass es für die Halle keinen anderen Standort geben würde. Dies wurde aber später von den Planern selbst zugestanden, dass eine Anternative auf dem Schulcampus möglich ist.
  • Selbst der sorgfältigste Waldrandaufbau kann den Verlust eines Jahrzehnte alten gesunden Mischwaldes nicht ersetzen. Außerdem ist das nur ein 12,50 m breiter Streifen, der kaum ausreichend Ersatz an Unterschlupf und Nahrung für Insekten und Vögel bietet. Die gerade in ihrer Stärke von 10 cm auf 8 cm reduzierte Dachbegrünung ist bei den immer häufiger auftretenden Dürreperioden in wenigen Tagen völlig ausgetrocknet und dämmt das Dach nicht mehr gegen Überhitzung. Auch die Aufnahmefähigkeit von Regenwasser bei den häufigen Starkregenereignissen ist minimal und erfüllt nicht die verheißenen Fähigkeiten.
  • Der größte Planungsfehler des Schwimmbades im Schulwald ist aber der fehlende Sichtschutz in das Schwimmbad vomoom Verbindungsweg zwischen Schulcampus und Lochhamer Straße sowie aud dem benachbarten Wald! Alle öffentlichen Bäder werden grundsätzlich so gebaut, dass die Fensterfronten in den sichtmäßig abgeschirmten Innenbereich zeigen, um die Badenden und Schwimmer vor den unerwünschen Blicken fremder Personen zu schützen. Bei der Halle im Schulwald soll aber die Fensterfront ohne jeglichen Sichtschutz auf den Verbindungsweg von der Lochhamer Straße zum Schulcampus gebaut werden. Auch die Fensterfront nach Norden und die seltsame Aussage, dass das Gebäude komplett umrundet werden kann und daher Spanner sich zusätzlich im Wald verstecken und trotzdem die Schwimmer beobachten können, ist ein planungstechnische Kardinalfehler. Angesichts der erschreckend ansteigenden Anzahl pädophiler Verfehlungen ist es absolut unmöglich hier die schwimmenden und badenden Kinder der unerwünschten Beobachtung durch wildfremde Menschen vom Verbindungsweg zur Autobahnbrücke bzw. als dem Wald heraus auszusetzen. Und sicher werden auch erwachsenen Frauen nicht begeistert sein, wenn wildfremde Menschen sie im Hallenbad ungeniert beobachten können. Aus diesem Grund führen immer mehr öffentliche Bäder Frauenbadetage ein, damit Frauen unbelästigt von männlichen Personen dort baden und schwimmen können! So etwas ist in der geplanten Schwimmhalle im Schulwald dann überhaupt unmöglich! In diesem Punkt ist die Planung der Schwimmhalle absolut eine Fehlplanung. Die von uns vorgeschlagene Situierung der Schwimmhalle im Untergeschoss der Stapelhalle auf dem Schulcampus mit Fensterfront zum, für Fremde unzugänglich abzusperrenden, Schulinnenhof verhindert sicher jegliche unerwünschte Beobachtung der Nutzerinnen und Nutzer des Hallenbades, egal ob Kinder oder Erwachsene! Es ist nicht nachvollziehbar, wie renomierten Planern so ein gravierender Planungsfehler gegen alle Grundsätze des Schwimmbadbaues unterlaufen konnte! Sich beim Schwimmen von wildfremden Menschen beobachtet zu fühlen erhöht mit Sicherheit nicht die Aufenthaltsqualität im Schwimmbad, sondern führt eher zum Verzicht der Nutzung dieses fehlgeplanten Bades, zumal ja korrekt ausgeführte Hallenbäder in Pasing, Germering und Forstenried zur Verfügung stehen.

Das Schreiben des TSV-Präsidenten an alle TSV-Mitglieder ist zwar gespickt mit blumigen Umschreibungen der geplanten Halle im Schulwald, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier eine Mogelpackung der Gräfelfinger Bevölkerung verkauft werden soll. Leider geht es bei der Planung weder ums Wohl der Schulkinder und auch nicht der Gräfelfinger Sportler oder sogar aller Bürger, sondern allein um Ansprüche des TSV, die er auf seinem eigenen Vereinsgelände in absehbarer Zeit nicht umsetzen und wohl auch nicht finanzieren kann. Hier im Lochhamer Schulwald würde er die gewünschte Halle auf Kosten der Gräfelfinger Steuerzahler bekommen, allerdings zum Schaden aller Gräfelfinger Bürger durch den Verlust des klimarelevanten Schul- und Schutzwaldes mit seinen vielfältigen Nutzeffekten für alle Bürger. Warum der TSV mit völlig identischen Sportmöglichkeiten in einer intelligenten Stapelhalle auf dem Schulcampus nicht auskommen könnte, ist nach wie vor nicht nachvollziehbar! Im übrigen entsprechen auch die schönen Architekturbildchen der Planer im Internetauftritt der Gemeinde weitgehnd nicht der geplanten Halle im Schulwald sondern sind nur Beispiele anderer Planungen der Architekten! Auch hier werden wohl bewußt falsche Vorstellungen geweckt.