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Bei einer Realisierung des geplanten Neubaus einer Schwimm- und Dreifachsporthalle im Lochhamer Schulwald wird mindestens 1 ha wertvoller, gesunder Mischwald für die Halle und die nötige Baustelleneinrichtung vernichtet! Dies wurde bei der Behandlung des Projekts im Gemeinderat zuerste verniedlicht durch eine falsche Zeichnung der geplanten Halle.

Einige Monate später bei der Vorlage des Bebauungsplanentwurf Nr. 46 sieht das ganze dann schon wesentlich schlimer aus!

Kopie aus Bebauungsplanentwurf des BP 46 der Gemeinde Gräfelfing

Laut Bebauungsplan muss um die Halle mindestens noch ein 20 m breiter Streifen zur Baustelleneinrichtung gerodet werden. Davon wird auf Dauer an der Halle ein 7 m breiter Streifen als Zufahrt für Rettungsdienste und für Nebeneinrichtungen frei von Bewuchs gehalten und dann ein weiterer 13 m breiter Streifen gestuft mit Sträuchern und einzelnen Bäumen bis zum Restwald bepflanzt werden. Das zeigt ganz eindeutig, dass die bestehende Waldfläche maximal bis an die Grenze der rosafarbenen Gemeinbedarfsflächen auf Dauer vernichtet wird.

Die notwendige Bestandskartierung des bestehenden Schulwaldes ergab jedoch, dass in diesem gesunden Mischwald geschützte Tierarten beheimatet sind. Das sind besonders die heute bereits sehr seltenen Haselmäuse. Sie sind aber keine Mäuse, wie ihr Namen vermuten läßt, sondern sind enge Verwandte von Siebenschläfer und Gartenschläfer der Gattung Bilche. Da Haselmäuse einen sehr ausgedehnten Winterschlaf von ca. Mitte Oktober bis Ende April in ihren Nestern am Boden zwichen Laub, Wurzeln und Baumstümpfen halten und dort kaum aufgespürt werden können, fallen sie zwangsläufig bei der Rodung des Waldes, die wieder nur zwischen Oktober und Ende Februar erfolgen darf, zum Opfer!

Haselmäuse stehen wegen ihrer starken Bedrohung unter dem besonderne Schutz der EU in Anhang IV der FFH-Richtlinie. Für sie besteht strenger Artenschutz gemäß Art. 12, 14, 15 und 16 dieser Richtlinie.

D.h. es besteht ein Schädigungsverbot für Lebensstätten nach §44 Abs.1 Nr. 3 i.V.m. Abs. 5 BNatSchG (Bundes Naturschutz Gesetz gilt auch in Bayern).

Des weiteren besteht ein Störungsverbot nach §44 Abs.1 Nr.2 i.V.m. Abs.5 BNatSchG.

Und zusätzlichogar ein Tötungs- und Verletzungsverbot nach §44 Abs.1 Nr.1 i.V.m. Abs.5 BNatSchG.

Die Planer räumen sogar selbst ein, dass die Tötung und Verletzung von besonders geschützten Haselmäusen während der ca. 2-jährigen Bauzeit kaum vermieden werden kann.

Aber nicht nur die geschützen Haselmäuse sind durch den Hallenneubau im Schulwald massiv bedroht, auch vier verschiedene geschützte Fledermausarten kommen im Schulwald vor und wären ebenfalls durch den Hallenbau massiv in ihrer Existenz bedroht.

Warum hat sich der Gemeinderat überhaupt für diesen enorm Umwelt- und Naturschutz schädlichen Standort im Schulwald entschieden?

Ursprünglich stand die Aussage der Planer, dass die alte Schwimmhalle dringend sanierungsbedürftig sei, aber eine Sanierung zu teuer wäre und daher ein moderner Neubau gleich zusammen mit einer neuen Dreifachsporthalle wesentlich günstiger sei. Dieser Neubau wurde damals mit ca, 14 Mio. € veranschlagt. Daraufhin entschied sich der Gemeinderat für den vermeintlich günstigen Neubau und gegen eine teuere Sanierung des Bestandes. Dass der neubau inwischen deutlich über 30 Mio.€ kosten soll, interessiert heute die Mehrheit im Gemeinderat nicht mehr.

Jetzt ging es um den Standort für den geplanten Naubau. Hier führten die Planer aus, dass bei einem Neubau an der Stelle der heutigen Schwimm- und Volksschulturnhalle plus des abzureißenden roten Behelfsbaues für die Pausenflächen der Schüler zu wenig Flächen vorhanden wären. Auf Grund dieser Aussagen entschied sich der Gemeinderat für einen Neubau im Schulwald, ohne aber die Aussagen der Planergenauer zu überprüfen.

Für den Hallenneubau schlugen die Planer eine Platz und Energie sparende kompakte Variante als sog. Variante Punkt vor. Diese Variante besteht aus einer Stapellösung mit Schwimmhalle im Untergeschoss und darüber der Dreifachsporthalle. So eine Lösung wird derzeit beim TSV Müchen Ost realisiert und wurde in der Presse als besonders innovativ gerühmt.

Aber der Gräfelfinger Gemeinderat wollte sich ein Denkmal setzen und entschied sich letztendlich für die maximal Wald vernichtende Variante, der 1 ha gesunder wertvoller Mischwald zum Opfer fallen soll. Dass 1 ha Mischwald in unserer Region 5 Tonne CO2 pro Jahr speichert, bis zum Klimajahr 2050 also 150 Tonnen CO2, hat damals im Gemeinderat niemand interessiert. Der Wald wurde sogar von einigen Gemeinderäten als wertloser Stangerlwald verspottet. Angesichts des sich drastisch beschleunigenden Klimawandels schon eine sehr realitätsleugnende Einstellung.

Aber zu diesem Zeitpunkt war der BUND Naturschutz als Träger Öffentlicher Belange noch gar nicht in die Planung eingeschaltet. Das erfolgte erst bei der 13. Änderung der Gräfelfinger Flächenneutzungsplans.

Wir konnten in unserer Stellungnahme schon damals nachweisen, dass bei einem möglichen Bau der Variante Punkt am alten Platz zum einen diese günstigste Variante realisiert werden kann und trotzdem ausreichend Pausenflächen für die Schulkinder erhalten bleiben. Der Gemeinderat schmetterte unsere Einwendungen jedoch ohne lange Diskussion mit 20 : 4 Stimmen ab. Aber schon damals gab es 4 Gemeinderätinnen und Räte, die gegen die Vernichtung des Schulwaldes waren und den Bau an der alten Stelle forderten.

Dies ist der Vorschlag des BN mit der Variante Punkt der Architekten Untertrifaller am alten Platz

Fazit:

Die Variante Punkt deckt genau die Flächen der abzubrechenden alten Schwimm- und Turnhalle, des roten Behelfsbaus und des Verbindungstraktes zwischen Nord- und Südbau ab. Sie deckt sich auch mit der Fläche der bestehenden Dreifachsporthalle des KHG.

Großer Vorteil ist neben dem Erhalt von 1 ha wertvollen Waldes auch der höhere Nutzen für die Schüler, da sie direkt aus dem Nord- und Südbau in die Schwimm- und Sporthalle gelangen ohne ein Gebäude zu verlassen und nicht bei jedem Wetter einen längeren Weg im Freien und noch über die Adalbert-Stifter-Straße hinweg zurück legen zu müssen.

Mit dieser Lösung könnte die Gemeinde für ihre Bürger, aber ganz besonders für unsere Kinder und Enkel, einen wichtigen Schritt zur Klimarettung gehen und trotzdem die gewünschten neuen Hallen bekommen.

Und nicht zu vergessen: Die Gräfelfinger hatten sich mit über 30 % aller Wahlberechtigten für das Volksbegehren zum Artenschutz ausgesprochen, was bei einer normalen Wahl mit einer Wahlbeteiligung zwischen 50 und 60 % einer Zustimmung von über 50 % entspricht. Sowas hat zu keine Partei seit Menschengedenken hier erreicht!